Komponentenvergleich: Raub und räuberische Erpressung

Für Raub (§ 249 Abs. 1) und räuberische Erpressung (§ 255) sieht das StGB dasselbe Strafmaß vor (ein bis 15 Jahre). Daraus lässt sich ableiten, dass das enthaltene Unrecht gleichwertig sein muss. Der Unterschied zwischen den Tatbeständen muss demnach darin liegen, dass einzelne Unrechtskomponenten verschieden stark ausgeprägt sind, sich aber gegenseitig ausgleichen.

So könnte die bei einer räuberischen Erpressung weniger schwere Interessenbeeinträchtigung dadurch aufgewogen werden, dass der Täter größere Hindernisse überwinden muss, nämlich das Opfer zur Mitwirkung bewegen muss. Mangels gesetzlicher Anhaltspunkte bestehen unterschiedliche Möglichkeiten, um den Umfang der Mitwirkung des Opfers zu bestimmen:

In der Rechtsprechung wird eine besondere Mitwirkung des Opfers allerdings nicht gefordert, um eine räuberische Erpressung anzunehmen. Das lässt sich damit begründen, dass die von der räuberischen Erpressung erfassten Beeinträchtigungen bei genauerer Betrachtung gar nicht weniger schwer wiegen als bei einem Raub, da die Dauer der Beeinträchtigung dafür nur ein Kriterium ist und zudem ein recht formelles.

 

Übersicht denkbarer Klausurkonstellationen:
(bei den markierten Feldern ist eine ausführliche Diskussion des Problems erforderlich, im Feld rechts unten allerdings nur, wenn Raub an anderer Stelle scheitert)